Hochwasserrisikovorsorge für die Pauliner Marsch

Hochwasserrisiko verstehen

Außendeichs und doch mittendrin – das ist das Erholungs-, Sport- und Freizeitgebiet Pauliner Marsch und Im Suhrfelde im Herzen Bremens. Geprägt ist das Gebiet von der Nähe zur Weser und einer Nutzung durch Vereine und Kleingärten. Starke Regenfälle sowie Sturmfluten auf der Nordsee oder Schneeschmelze flussaufwärts können hier zu großflächigen Überflutungen führen. Mit den Anlieger*innen und Interessensgruppen vor Ort wurde die Situation bewertet und es wurden Ideen und Maßnahmen zur Risikovorsorge entwickelt.

Im Rahmen der Umsetzungs- und Verstetigungsphase soll die Die Gründung einer Sturmflutpartnerschaft den angestoßenen Dialog- und Informationsprozess zwischen Verwaltung und Nutzer*innen, Vereinen und Firmen fortführen und langfristig etablieren. Mit gezielten Informationskampagnen (Beschilderung, Flyer, Informationen im Internet) sollen die Nutzer*innen in dem Gebiet weiter sensibilisiert werden. In der Pauliner Marsch wird eine Machbarkeitsstudie klären, wie die Entwässerungssituation nach einer potenziellen Überschwemmung des Gebietes verbessert werden kann.
 

Downloads und Informationsmaterial

 

Hintergrundinformationen zur Forschungs- und Entwicklungsphase

Ausgangssituation

Ca. 86 % der Bremer Landesfläche und damit ca. 515.000 Menschen sind potentiell durch Hochwasser gefährdet. Sturmfluten von der Nordsee können sehr hohe Wasserstände verursachen. Bei gleichzeitigem Auftreten von Sturmfluten und Hochwasser im Binnenland kann eine große Gefahr entstehen. Das Hochwasserrisikomanagement ist daher eine der wichtigsten Aufgaben Bremens.

Die Gefahr gilt insbesondere für die Gebiete, die sich in unmittelbarer Nähe zur Weser befinden, z. B. auch das Modellgebiet, und nicht über einen ausreichenden, technischen Hochwasserschutz verfügen.

Die Pauliner Marsch und das Suhrfeld sind wichtige Naherholungsgebiete mit unterschiedlichen Nutzungen, z. B. durch Kleingarten- und Sportvereine. Das Gebiet wird nur eingeschränkt durch eine Verwallung vor Hochwasser geschützt und kann bei einer extremen Sturmflut bis zu 4 m überschwemmt werden.

Diese Flächen sind daher per Verordnung als hochwassergefährdetes Gebiet festgesetzt.

Ziele
Ziel des Reallabors Pauliner Marsch war es, gemeinsam mit allen betroffenen Personen, Vereinen und Organisationen Ideen und Maßnahmen zu entwickeln, die die Anforderungen der Betroffenen an den Hochwasserschutz berücksichtigen und das Risiko durch Hochwasser bewusst machen.

Die Risikovorsorge für Menschen im Fall eines Hochwassers stand dabei im Mittelpunkt, aber auch die Möglichkeiten zur Vermeidung von Schäden an Sachwerten und von Gefahren, z. B. der Umwelt, die durch Sachgüter ausgehen, wurden mitberücksichtigt.

Insgesamt soll eine Verringerung des direkten und indirekten Gefährdungs- und Schadenspotential erreicht werden.

Vorgehensweise/Beteiligungsformate
In einem ersten Schritt wurde eine Situationsanalyse durchgeführt. Dafür wurde das Modellgebiet umfangreich beschrieben und alle verfügbaren Daten, wie z. B. die Anzahl und Art von Gebäuden oder auch die vorhandene Infrastruktur zusammengetragen. Zusätzlich wurde die rechtliche Situation dargestellt, da das Gebiet per Verordnung als hochwassergefährdetes Gebiet festgesetzt ist. Außerdem wurden alle ggf. betroffenen Personen, Vereine, Behörden und Organisationen ermittelt und deren Anforderungen, die an eine Hochwasservorsorge gestellt werden, durch Interviews erfasst. Darüber hinaus wurde anhand verschiedener Überflutungsszenarien eine Gefährdungsanalyse erstellt. Die Ergebnisse beider Analysen wurden in Fact Sheets kurz und knapp zusammengefasst.

Gemeinsam mit zentralen Personen vor Ort, u. a. aus Vereinen, Behörden und Organisationen wurde die Workshop-Reihe „Pauliner Marsch – Überflutungsvorsorge gemeinsam gestalten“ durchgeführt. Bei diesen Treffen wurden Ideen und Maßnahmen entwickelt, die das Ziel haben, die Auswirkungen eines Hochwassers zu verringern. Als Grundlage dafür wurden die Ergebnisse aus der Situations- und Gefährdungsanalyse bei den Workshops vorgestellt und besprochen. Alle durch die Akteure vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in Kleingruppen diskutiert und bewertet und daraus für die Umsetzung geeignete Maßnahmen ausgewählt.

Im Rahmen einer Workshop-Reihe „Pauliner Marsch – Überflutungsvorsorge gemeinsam gestalten“ wurde die Situation mit den Anliegern und Interessensgruppen vor Ort bewertet. Gemeinsam wurden Maßnahmen zur Risikovorsorge entwickelt und priorisiert.

Folgende Workshops zur Hochwasserrisikovorsorge in der Pauliner Marsch und Im Suhrfelde fanden bislang im Bürgerhaus Weserterrassen statt:

1. Workshop "Gefahren bewerten, Anforderungen priorisieren" (7.11.2019)

2. Workshop "Anpassungsmaßnahmen weiterentwickeln" (13.2.2020)

Vor-Ort-Begehung "Hochwasserangepasste Sportstätten" (1.10.2020)

Der für den 14.5.2020 geplante 3. Workshop „Umsetzungsmöglichkeiten konkretisieren“ musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Als Zusatzveranstaltung fand dafür eine Vor-Ort-Begehung zum Thema „Hochwasserangepasste Sportstätten“ (1.10.2020) statt.

Ergebnisse und priorisierte Anpassungsmaßnahmen
Die Situations- und Gefährdungsanalysen verbesserten erheblich das Verständnis des Ist-Zustands (betroffene Stakeholder, Flächennutzung, vorhandene Infrastruktur etc.) sowie zur Sturmflutgefährdung des Gebietes. Die Studien zeigten, dass bei sehr schweren Sturmfluten fast das gesamte Gebiet mehrere Meter hoch überflutet wird. Dadurch ergeben sich Gefahren für Leib und Leben – insbesondere für die sich dauerhaft im Modellgebiet aufhaltenden AnwohnerInnen. Durch die potenzielle Freisetzung wassergefährdender Stoffe (v. a. aus Treibstoffbehältern, von Kunstrasenplätzen sowie aus einer Düngerlagerstätte) besteht zudem ein hohes Risiko für die Umwelt. Eine Werteermittlung ergab einen hohen potenziellen Verlust an Sachwerten durch in das Gebiet eindringende Wassermassen insbesondere durch Beschädigungen der Sportstätten, Kleingartenparzellen und der Versorgungsinfrastruktur.

Die Auswertung der Interviews mit betroffenen Stakeholdern (u. a. VertreterInnen der ansässigen Sport-, Freizeit- und Kleingartenvereine, Behördenvertreter*innen) ergab, dass die meisten Akteure vor Ort bereits gut miteinander vernetzt sind. Zudem liegt ein ausgeprägtes Gefährdungsbewusstsein hinsichtlich der bestehenden Hochwassergefahren vor, welches v. a. aus einer schweren Sturmflut im Jahr 2013 resultiert. Konkrete Informationsangebote auf den Workshops trugen zur Wissensvermittlung bei den Teilnehmenden bei z. B. darüber, wie man sich über Sturmflutprognosen informieren kann und wie die Meldeketten im Sturmflutfall ablaufen.

Aufbauend auf den in den Interviews genannten Bedarfen und Vorschlägen der befragten Akteure wurden folgende Maßnahmen von den Workshop-Teilnehmenden gemeinsam priorisiert und ausgearbeitet:

  • Beratungsmaßnahmen zur Stärkung der Eigenvorsorge: Insbesondere die im Projektgebiet ansässigen Vereine äußerten Bedarf an konkrete Beratung zum hochwasserangepassten baulichen Objektschutz.
  • Maßnahmen zur verbesserten Informations- und Kommunikationsstruktur: Kommunikation potenzieller Gefahren sowie Vorwarn- und Vorsorgemöglichkeiten durch Flyer und Informationstafeln.
  • Infrastrukturelle Maßnahmen: Verbesserung der Entwässerungskapazität, z. B. durch ein Grabensystem, so dass im Überflutungsfall das Wasser schneller und schadlos wieder ablaufen kann.