Starkregenvorsorge für die Blumenthaler Aue

Starkregen einschätzen

Die Flüsse Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beeke fließen beim sozial-kulturellen Begegnungszentrum Burg Blomendal in Bremen-Nord zusammen. Sie bildeten einst den Schutzgraben um den denkmalgeschützten Bereich. Extreme Regenfälle können hier binnen kurzer Zeit zu einem starken Anschwellen der kleinen Gewässer führen. Für die Blumenthaler Aue im Bereich der Burg Blomendal wurden daher gemeinsam mit allen betroffenen Personen, Vereinen, Behörden und Organisationen konkrete Maßnahmen zur Starkregen- und Hochwasservorsorge erarbeitet.

Im Rahmen der Umsetzungs- und Verstetigungsphase soll die Gründung einer Starkregenpartnerschaft den angestoßenen Dialog- und Informationsprozess zwischen Verwaltung und Bewohner*innen, Vereinen und Firmen fortführen und langfristig etablieren. Mit gezielten Informationskampagnen (Beschilderung, Flyer, Informationen im Internet) sollen die Nutzer*innen des Gebiets weiter sensibilisiert werden. Die Einrichtung und Erprobung eines Frühwarnsystems und die Errichtung neuer, digitaler Messpegel werden in Bremen-Nord dazu beitragen, auch im Falle kurzfristiger Extremwetterereignisse besser vorbereitet und reaktionsfähig zu sein.

Downloads und Informationsmaterial

Hintergrundinformationen zur Forschungs- und Entwicklungsphase

Ausgangssituation

Das Modellgebiet „Blumenthaler Aue“ liegt in Bremen-Nord. Es umfasst das Gelände der seit 1973 unter Denkmalschutz stehenden Burganlage Blomendal, die auch eine Kindertagesstätte (KiTa) beheimatet. Neben der KiTa nutzen der Verein „Burg Blomendal“, der Heimatverein Blumenthal und ein Schwertorden das Gelände.

Die Gebäude stehen am Zusammenfluss von Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beeke in einer Senke ohne Hochwasserschutzanlagen und damit an einer stark überflutungsgefährdeten Stelle. Gewässer mit kleinem Einzugsgebiet und großem Gefälle reagieren empfindlich auf evtl. auftretende Starkregenereignisse. Die daraus möglicherweise entstehenden so genannten Sturzfluten haben oftmals eine sehr kurze Vorwarnzeit.

Das Gebiet ist seit 2016 ein per Verordnung festgesetztes Überschwemmungsgebiet.

Ziele

Ziel des Reallabors Blumenthaler Aue war es, gemeinsam mit allen betroffenen Personen, Vereinen, Behörden und Organisationen Ideen und Maßnahmen zu entwickeln, die die Auswirkungen eines möglichen Starkregenereignisses verringern und das Risiko durch Starkregen und Hochwasser bewusst machen.

Die Möglichkeiten der Warnung und der Verhaltensvorsorge standen dabei im Mittelpunkt.

Vorgehensweise/Beteiligungsformate

In einem ersten Schritt wurde eine IST-Analyse durchgeführt. Dafür wurde das Gebiet umfangreich beschrieben und alle verfügbaren Informationen aus Karten und Daten zusammengetragen. Auch die rechtliche Situation als festgesetztes Überschwemmungsgebiet und die daraus entstehenden Anforderungen wurden dargestellt.

In einer Stakeholderanalyse wurden neben allen betroffenen Personen und Vereine, die das Haus Blomendal nutzen, auch betroffene Anwohner, Behörden und Organisationen ermittelt. In Gesprächen wurden Anforderungen, die an eine Vorsorge für Starkregen- bzw. Sturzfluten gestellt werden, besprochen.

Durch eine Analyse zum Abflussverhalten, die speziell Starkregen- bzw. Sturzflutereignisse im Gebiet der Blumenthaler Aue betrachtet, wurde untersucht, wie die Blumenthaler Aue auf verschieden starke Niederschlagsereignisse reagiert. Dazu wurden komplexe Modellberechnungen und Simulationen durchgeführt.

Gemeinsam mit zentralen Personen vor Ort, u. a. aus Vereinen, Behörden und Organisationen wurde die dreiteilige Workshop-Reihe „Blumenthaler Aue – Starkregenvorsorge gemeinsam gestalten“ durchgeführt. Bei diesen Treffen wurden Ideen und Maßnahmen entwickelt, die das Ziel haben, die Auswirkungen von Starkregenereignissen zu verringern. Als Grundlage dafür wurden die Ergebnisse der Abflusssimulation sowie das Bremer Starkregen-Vorsorgeportal bei den Workshops vorgestellt und besprochen. Alle durch die Akteure vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in Kleingruppen diskutiert und bewertet und daraus für die Umsetzung geeignete Maßnahmen ausgewählt.

Im Rahmen einer dreiteiligen Workshop-Reihe „Blumenthaler Aue – Starkregenvorsorge gemeinsam gestalten“ wurde die Situation mit den Anliegern und Interessensgruppen vor Ort bewertet. Gemeinsam wurden Maßnahmen zur Risikovorsorge entwickelt und priorisiert.

Folgende Workshops zur Starkregen- und Hochwasservorsorge im Gebiet der Blumenthaler Aue fanden bislang auf Burg Blomendal statt und wurden online dokumentiert:

1. Workshop "Information & Austausch" (27.2.2019)

2. Workshop "Gemeinsam Ideen und Strategien entwickeln" (30.4.2019)

3. Workshop "Möglichkeiten zur Umsetzung diskutieren" (19.6.2019)

Blumenthaler Wassertag (11.8.2019)

Zusätzlich sind am 11.8.2019 zahlreiche BesucherInnen der Einladung zum Blumenthaler Wassertag auf Burg Blomendal gefolgt. Dort wurden die Ergebnisse der Workshop-Reihe vorgestellt und es gab zahlreiche weitere Informationsangebote zum Thema Starkregenvorsorge.

Ergebnisse und priorisierte Anpassungsmaßnahmen

Durch den Beteiligungsprozess zur Starkregenvorsorge im Modellgebiet „Blumenthaler Aue“ ist es gelungen konkrete Anpassungsmaßnahmen gemeinsam abzuwägen und zu priorisieren und dabei gleichzeitig das Problembewusstsein und das Wissen über Starkregen- und Hochwassergefahren sowie über Anpassungsmöglichkeiten bei den teilnehmenden Akteuren zu steigern
Eine Vielzahl von Anpassungsmaßnahmen wurde durch die Teilnehmenden entwickelt und diskutiert. Nach gemeinsamer Konkretisierung, Abwägung und Priorisierung wurden einige dieser Maßnahmenvorschläge durch die Umweltbehörde weiter im Detail geprüft. Folgende Anpassungsmaßnahmen sollen nun in den kommenden Jahren umgesetzt bzw. initiiert:

  • Einrichtung eines Frühwarnsystems mit Kürzestfristvorhersage für das gesamte Einzugsgebiet der Blumenthaler Aue als Modellgebiet für ganz Bremen
  • Beschilderung des Überschwemmungsgebiets und des Rückhalteraums Beckedorfer Beeke
  • Anpassung der Einleitungsgenehmigungen von Niederschlagswasser an veränderte Einleitungsmengen, die sich aus einer erhöhten Versiegelung im Einzugsgebiet ergeben
  • Gewässerunterhaltung von Burggraben, Blumenthaler Aue und Beeke mit dem besonderen Fokus auf die Gewährleistung des Abflusses infolge von Starkregenereignissen
  • Anfertigung eines hydraulischen Gutachtens mit Fokus auf die Entwässerung im Unterlauf der Blumenthaler Aue. Dieses soll konkrete Erkenntnisse über potenzielle Abflusshinderungen an den Durchlässen liefern und prüfen, ob die Steuerung des Schöpfwerkes optimiert werden kann