Bremen auf dem Weg in eine klimaresiliente Zukunft– Rund 140 Teilnehmende bei der Ergebniskonferenz des Forschungsprojekts BREsilient mit Bürgermeisterin und Klimaschutzsenatorin Dr. Maike Schaefer

Langanhaltende Trocken- und Hitzeperioden, Überschwemmungen durch Starkregen und Sturmfluten und daraus resultierende Schäden: Die Folgen des Klimawandels betreffen Bremen schon heute. Wie geeignete Anpassungsmaßnahmen in Zukunft aussehen können, wurde in den vergangenen drei Jahren im Verbundprojekt „Klimaresiliente Zukunftsstadt Bremen“ (BREsilient) unter Leitung der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS) der Freien Hansestadt Bremen untersucht. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit über 2,2 Mio. € gefördert. In vier Modellbereichen wurden dabei die Starkregenvorsorge für das Gebiet der Blumenthaler Aue, die Hochwasserrisikovorsorge für die Pauliner Marsch, die Klimafolgen für Unternehmen der maritimen Logistik und Ernährungswirtschaft sowie eine ökonomische Bewertung von Anpassungsmaßnahmen in den Blick genommen. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung wurden Vorschläge für Maßnahmen entwickelt, um Bremen besser auf den Klimawandel vorzubereiten.

Wortwolke mit den Orten, aus denen die Teilnehmenden der Konferenz kamen.
Digital machts möglich: Großes überregionales Interesse an den Ergebnissen des Projekts BREsilient.

In einer Online-Konferenz am 9. März 2021 zogen die Beteiligten nun Bilanz. Die Bremer Bürgermeisterin und Klimaschutzsenatorin Dr. Maike Schaefer begrüßte die Teilnehmenden und betonte, dass das Land Bremen mit seiner Klimaanpassungsstrategie bereits auf einem guten Weg der Klimavorsorge ist. „Das Projekt BREsilient knüpft an die Klimaanpassungsstrategie an. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf dem Austausch und der Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Denn die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können und die auf die Akzeptanz und Unterstützung der Menschen vor Ort angewiesen ist. Daher setzen wir auf lebensnahe und passgenaue Maßnahmen, die mit den Beteiligten gemeinsam entwickelt werden.“

Im Anschluss an einen Rückblick auf die Projektlaufzeit wurden die Ergebnisse aus den Modellbereichen in themenspezifischen Workshops vorgestellt. Im Fokus standen geplante Maßnahmen für eine beantragte Umsetzungs- und Verstetigungsphase des Projekts BREsilient.

Auf den Bildschirmen von 25 Teilnehmenden berichtete Imke Rolker (SKUMS) im Workshop „Hochwasserrisikovorsorge für die Pauliner Marsch & Im Suhrfelde“ über den vergangen Beteiligungsprozess und die bisherigen Ergebnisse. Für das Anschlussprojekt ist der Aufbau einer Sturmflutpartnerschaft geplant, um der Zusammenarbeit mit den Akteuren des Gebiets in der Überflutungsvorsorge einen regelmäßigen Rahmen zu geben. Im Workshop zum Modellbereich „Starkregenvorsorge Blumenthaler Aue“ wurde über Bodenversiegelung, Beratungsangebote und ein Frühwarnsystem für Starkregen diskutiert, das im Folgeprojekt etabliert werden soll. Jens Wunsch, Referent Hochwasserrisikomanagement bei SKUMS, stellte die Funktionsweise des Systems und seinen Nutzen für das Gebiet und dessen Nutzer*innen und Bewohner*innen vor. Teilnehmende aus anderen Städten und Regionen in Deutschland waren außerdem an einer Übertragbarkeit des Beteiligungsformat-Konzepts interessiert.

Auch im Bereich der Maritimen Wirtschaft wurden unter der Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik Ideen für kooperative Ansätze entwickelt: So gehören die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen und Lagerflächen, das gegenseitige Ausleihen von Kühlcontainern oder die Zusammenarbeit von Transporteuren, um beim Ausfall eines Verkehrsträgers schnell auf alternative Verkehrsträger auszuweichen, zu den Maßnahmen, mit denen sich Unternehmen auf künftige Extremwettereignisse vorbereiten können. Im Workshop diskutierten 14 Teilnehmende darüber, dass es für Unternehmen wichtig ist, zur Klimaanpassung auf Maßnahmen zu setzen, die auch unabhängig vom Klimawandel positive Wirkungen und Synergien zu anderen Herausforderungen wie beispielsweise Steigerung der Biodiversität entfalten. Außerdem wurde das kürzlich in Kraft getretene Lieferkettengesetz diskutiert, durch das es für Unternehmen wichtiger wird, ihre Wertschöpfungsketten zu kennen. Der Einblick in die eigenen Beschaffungs-, Herstellungs- und Logistikwege ist eine zentrale Voraussetzung, um ihre Anfälligkeit gegenüber Klimawandelfolgen einschätzen zu können.

Im Rahmen eines verwaltungsorientierten Modellbereichs führte das IÖW beteiligungsorientierte Kosten-Nutzen-Analysen für unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen durch, welche den erheblichen gesellschaftlichen Nutzen z. B. der Neupflanzung zusätzlicher Straßenbäume oder einer Ausdehnung von Dach- und Freiflächenbegrünung in Bremen aufzeigen. Im Workshop mit mehr als 50 Teilnehmenden betonte Iris Bryson, Expertin für Stadtbäume und öffentliches Grün bei SKUMS, den Wert der Ergebnisse: So konnten auf Grundlage der Analysen Mittel für ein Umsetzungsprojekt im Rahmen des „Handlungskonzepts Stadtbäume“ durch ihr Referat erfolgreich eingeworben werden.

Im von über 40 Teilnehmenden besuchten Workshop „Beteiligungsformate und Reallabore zur Steigerung von Klimaresilienz?!“ wurden die von Dr. Theresa Michel und Dr. Torsten Grothmann (Universität Oldenburg) durchgeführten Analysen zur Wirksamkeit der in BREsilient umgesetzten Beteiligungsprozesse zur Steigerung der Klimaresilienz vorgestellt. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Prozesse die Eigenverantwortung und Motivation der Teilnehmenden nachweislich gesteigert haben, in der Anpassung an den Klimawandel aktiv zu werden. Diskutiert wurde vor diesem Hintergrund die herausfordernde Gemengelage von Betroffenheit durch Klimafolgen, der damit einhergehenden Bereitschaft, an Beteiligungsprozessen teilzunehmen, Ansprüchen an staatliches Handeln und Überzeugungen zu dem, wer was tun kann und soll.

Auf der Konferenz wurde aber auch über die Ergebnisse von BREsilient hinaus auf weitere Aktivitäten und Aspekte der Klimaanpassung in Bremen geschaut. In einer Podiumsdiskussion tauschten sich die Senatorin Dr. Maike Schaefer, Oda Keppler vom BMBF, Cornelia Rösler vom Deutschen Institut für Urbanistik und Wissenschaftler Dr. Torsten Grothmann von der Universität Oldenburg über die Frage „Wie klimaresilient ist Bremen?“ aus.

So ist das Projekt BREsilient einer von vielen Bausteinen in der Bremer Klimaanpassungsstrategie. „Über das Konzept einer breiten Bürger*innenbeteiligung konnten wir viele Menschen bei der Maßnahmenentwicklung einbeziehen und zugleich für das Thema der individuellen Vorsorge sensibilisieren“, fasst Projektleiterin Dr. Lucia Herbeck die vergangenen Projektjahre zusammen. Sie betont: „Das ist ein großer Erfolg, an den wir bei der Umsetzung der entwickelten Maßnahmen gerne anknüpfen möchten.“ Einen vertieften Einblick in die Projektergebnisse bieten unter anderem vierzehn Fact Sheets, zwei Filme und wissenschaftliche Publikationen.